Die moderne Medizin ist ein Wunder, vor allem, da sie in der Lage ist, viele Verletzungen und Krankheiten zu heilen, die vor 200 Jahren noch tödlich endeten. Aber sie ist auch kompliziert und für Laien oft unverständlich. Oftmals prallt das Fachwissen der Ärzte auf die Unkenntnis der Patienten und deren Angehörigen aufeinander. Es stellen sich Fragen nach der Behandlung, der Medikation oder sogar Maßnahmen wie beispielsweise der künstlichen Ernährung. In diesem Spannungsfeld gibt es häufig ethische Fragestellungen, in dem Patientenwillen auf der einen Seite, Behandlungsmöglichkeiten auf der anderen Seite und die emotionale Belastung der Angehörigen zu Konflikten führen. Mit diesen ethischen Fällen beschäftigt sich Boris Knopf, Mitbegründer des Vereins für ambulante Ethikberatung in Hessen e.V.

Tätigkeit und Konzept des Vereins wurden publik und so lud die „Parlamentariergruppe Über 60 (PG Ü60) / Parlamentskreis der Senioren Union (PSU)“ der CDU Fraktion im Hessischen Landtag Herrn Knopf zu sich ein. Die Leiterin der Gruppe, Irmgard Klaff-Isselmann, die zugleich senioren- und pflegepolitische Sprecherin ist, möchte die neuen Möglichkeiten der Pflege- und Patientenarbeit kennen lernen.

Der aus mittlerweile 25 qualifizierten Ethikberatern bestehende Verein, berät ehrenamtlich Patienten, wie Ärzte über Behandlungsmöglichkeiten in den Projektregionen Marburg/ Biedenkopf sowie Frankfurt/ Offenbach. „Wichtig ist, dass wir nur Empfehlungen geben, wenn jemand einen Rat sucht. Wir wollen eine dritte Sicht auf die ethische Fragestellung liefern und so unterstützend wirken“, erklärt Knopf. „Dazu gehört auch, dass wir die ethischen Konflikte zwischen Ärzten und Patienten versuchen zu lösen, indem wir für das oftmals ethische Dilemma dahinter sensibilisieren und dieses aufzeigen. Dabei arbeiten wir oftmals als Mediator, und versuchen zu schlichten und den für den Patienten besten Weg zu finden. Manchmal gibt es verschiedene Vorstellungen zwischen der Behandlungsmöglichkeit und dem Wunsch des Patienten oder dessen Angehörigen. Vor allem dann, wenn es keine klare Patientenverfügung gibt, kommen wir zum Einsatz“, so Knopf.

Zwar verfügen die meisten Krankenhäuser über eine Ethikkommission, aber im ambulanten Umfeld gibt es hierzu noch sehr wenig Aktivitäten. „2008 hat der 111. Ärztetag bereits die Gründung einer ambulanten Ethikberatung empfohlen. 2012 hat die Landesärztekammer die Gründung eines solchen Teams erneut über den Präsidenten der Landesärztekammer Hessen Dr. von Knoblauch zu Hatzbach initiiert. So kam es, dass wir ab 2013 mit der Planung für eine ambulante Ethikberatung begannen und 2016 den ‚Verein für ambulante Ethikberatung Hessen‘ gründen konnten“, berichtet Knopf.

Die ehrenamtlich qualifizierten Ethikberater haben einen fachlich unterschiedlichen Hintergrund. So gibt es im Team Ärzte, Pflegekräfte, Seelsorger, Psychologen und Sozialarbeiter. „Wir möchten ein breites Spektrum an Kompetenz ausschöpfen und lassen uns bei den Gesprächen mit den Patienten sowie Ärzten für die Beratung ausreichend Zeit.

Bundesweit gibt es vereinzelte Initiativen für die ambulante Ethikberatung im Aufbau, doch der Mitbegründer der ambulanten Ethikberatung ist guter Dinge, dass es mehr werden. „Uns ist es vor allem wichtig, dass alle Beteiligten, Ärzte, Pflegende und Patienten auf Augenhöhe miteinander kommunizieren. Nur so können wir ethischen Fragestellungen im Sinne des Patienten klären. Wir haben alle dasselbe Ziel: das Wohl des Patienten. So können wir eine Zweitmeinung für die Hausärzte liefern sowie bei entscheidenden Fragestellungen unterstützend mitwirken“, so Knopf.

Um die Bevölkerung grundsätzlich für Fragestellungen gerade am Ende des Lebens zu sensibilisieren, sind Initiativen wie beispielsweise „letzte Hilfe Kurse“ als bürgerschaftlicher Ansatz sehr zu begrüßen. Auch hierüber konnten wir uns bei unserem Treffen informieren.

Weiterführende Links:

http://aebh.de (Ambulante Ethikberatung in Hessen e.V.)

https://www.letztehilfe.info (Letzte Hilfe Kurse)

http://www.wuerdezentrum.de (Würdezentrum gUG)

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